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Fahrlässige Tötung nach Unfall: Was § 80 und § 81 StGB in Österreich bedeuten

Fahrlässige Tötung nach Unfall: § 80 und § 81 StGB, Gutachten, Aussageentscheidung, Sorgfaltspflicht und erste Verteidigungsschritte.

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Mag. Christopher Angerer, Rechtsanwalt

Rechtsanwalt und Verteidiger in Strafsachen

Strafverteidigung ist Vertrauenssache. Von der ersten Einvernahme bis zur Rechtskraft — alles aus einer Hand.

11. Juli 2026 · Mag. Christopher Angerer, Rechtsanwalt

Nach einem tödlichen Unfall steht schnell der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum. Für Beschuldigte und Angehörige ist dann entscheidend, ob ein Sorgfaltsverstoß nachweisbar ist, ob § 80 StGB oder die strengere Einordnung nach § 81 StGB geprüft wird und welche Rolle technische oder medizinische Gutachten spielen.

Dieser Beitrag erklärt aus anwaltlicher Perspektive die wichtigsten Weichenstellungen nach einem tödlichen Unfall, die Einordnung zur fahrlässigen Körperverletzung und die ersten Schritte vor Aussage, Gutachten und Hauptverhandlung. Es handelt sich um allgemeine Information, nicht um Beratung im Einzelfall.

Schnelle Einordnung

Was ist nach einem tödlichen Unfall strafrechtlich zuerst zu klären?

Bei Todesfolge zählen Aktenlage, Unfallrekonstruktion, Sachverständigengutachten und Aussageentscheidung besonders früh.

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01 Frage 1

Welche Lage passt am besten zu Ihrem Verfahren?

Die erste Einordnung hängt vom Vorwurf, vom Aktenstand und von den nächsten Terminen ab.

Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

01

Vorwurf zuerst aus dem Akt klären.

Am Anfang sollte keine spontane Erklärung abgegeben werden. Zuerst müssen genauer Tatvorwurf, Zuständigkeit, Beweismittel und Verfahrensstand geklärt werden.

Aus anwaltlicher Perspektive ist Akteneinsicht die Grundlage für jede weitere Entscheidung.

Vertiefung zur Sorgfaltspflicht →
02

Beweise vollständig sichern.

Fotos, Nachrichten, Gutachten, Belege und Zeugenhinweise sollten geordnet gesichert werden. Nichts sollte gelöscht, verändert oder nachträglich ergänzt werden.

Gerade frühe Dokumentation entscheidet oft, ob eine entlastende Alternative später noch nachvollziehbar ist.

Vertiefung zur Sorgfaltspflicht →
03

Aussage nur vorbereitet treffen.

Vor einer Aussage muss klar sein, was im Akt steht und welche Punkte belastend oder entlastend wirken. Schweigen, Teilangaben oder eine schriftliche Stellungnahme sind unterschiedliche Werkzeuge.

Welche Variante passt, hängt vom konkreten Vorwurf ab.

Vertiefung zur Sorgfaltspflicht →
04

Verteidigungslinie rechtzeitig festlegen.

Vor einer Verhandlung sollten Beweisanträge, Entlastungsunterlagen, mögliche Wiedergutmachung und das Verfahrensziel geklärt sein.

Wer erst am Verhandlungstag strukturiert, verliert oft wichtige Gestaltungsmöglichkeiten.

Vertiefung zur Sorgfaltspflicht →

Sorgfaltspflicht und Unfallrekonstruktion

Bei § 80 StGB steht nicht der tragische Ausgang allein im Mittelpunkt. Entscheidend ist, ob eine konkrete Sorgfaltspflicht verletzt wurde und ob gerade diese Pflichtverletzung den Tod verursacht hat.

Die Rekonstruktion beginnt daher bei Geschwindigkeit, Sicht, Wetter, Arbeitsabläufen, Warnhinweisen, Sicherheitsregeln und medizinischen Ursachen. Aus anwaltlicher Perspektive müssen auch entlastende Alternativen aktiv gesichert werden.

§ 80 und § 81 StGB richtig abgrenzen

§ 80 StGB betrifft fahrlässige Tötung. § 81 StGB erfasst qualifizierte Konstellationen, in denen dem Vorwurf besondere Schwere zukommt, etwa wegen grober Fahrlässigkeit oder besonders gefährlicher Umstände.

Diese Einordnung verändert die Strafdrohung und die Verfahrensstrategie. Deshalb sollte nicht vorschnell eine rechtliche Einordnung übernommen werden, bevor der Akt und die Gutachten geprüft sind.

Warum Gutachten oft den Ausgang prägen

Technische, verkehrstechnische, medizinische oder arbeitsplatzbezogene Gutachten sind in solchen Verfahren häufig zentral. Ein Gutachten ist aber kein Ersatz für Verteidigung, sondern ein Beweismittel, das auf Annahmen, Daten und Methoden beruht.

Die Verteidigung prüft, ob Spuren vollständig gesichert wurden, ob Berechnungen nachvollziehbar sind und ob Gegenfragen an den Sachverständigen notwendig sind.

Erste Schritte nach Ladung oder Hausdurchsuchung

Wer als Beschuldigter geladen wird, sollte keine spontane Aussage zur Schuldfrage machen. Zuerst sind Akteneinsicht, Sicherung eigener Unterlagen und eine klare Entscheidung über Schweigen, Stellungnahme oder Aussage erforderlich.

Wichtig sind Unfallfotos, Arbeitsanweisungen, Wartungsunterlagen, Nachrichten, Namen von Zeugen und Versicherungsunterlagen. Diese Informationen sollten geordnet, aber nicht verändert werden.

Einordnung

Fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Gefährdung im Vergleich.

Die rechtliche Einordnung hängt von Folge, Sorgfaltsverstoß und Nachweisbarkeit ab.

Typische Einordnung nach Unfallfolgen
Vorwurf Kernpunkt Prüffrage
§ 80 StGB Todesfolge durch Fahrlässigkeit Welche Pflicht wurde verletzt?
§ 81 StGB Qualifizierte Fahrlässigkeit Warum soll der Vorwurf schwerer wiegen?
§ 88 StGB Verletzung ohne Todesfolge Welche Verletzung ist kausal?
§ 89 StGB Gefahr ohne Verletzung Lag konkrete Gefahr vor?
Ablauf

Vier frühe Schritte nach einem tödlichen Unfall.

Die ersten Tage entscheiden über Aktenlage, Aussage und Gutachten.

  1. 01
    1
    sofort

    Vorwurf erfassen

    Ladung, Aktenzeichen und Rolle klären.

  2. 02
    2
    früh

    Akteneinsicht sichern

    Keine Aussage ohne Überblick über Spuren und Gutachten.

  3. 03
    3
    laufend

    Unterlagen ordnen

    Fotos, Nachrichten, Wartung und Zeugen vollständig sichern.

  4. 04
    4
    nach Aktenlage

    Gutachten prüfen

    Annahmen und Berechnungen gezielt hinterfragen.

Keine vorschnelle Aussage. Bei Todesfolge kann ein einzelner Satz die spätere Begutachtung prägen. Vor jeder Erklärung sollten Aktenstand, Spuren und eigene Unterlagen geprüft sein.

Häufige Fragen

Fahrlässige Tötung nach Unfall: wichtige Fragen.

Ist jeder tödliche Unfall automatisch strafbar? +

Nein. Strafbarkeit setzt eine nachweisbare Sorgfaltspflichtverletzung und Kausalität voraus. Der tragische Ausgang allein genügt nicht.

Was ist der Unterschied zwischen § 80 und § 81 StGB? +

§ 80 StGB betrifft fahrlässige Tötung. § 81 StGB erfasst schwerere Konstellationen, etwa wenn besondere Gefährlichkeit oder grobe Fahrlässigkeit behauptet wird.

Soll ich vor dem Gutachten aussagen? +

Das hängt vom Akt ab. Regelmäßig ist zuerst Akteneinsicht sinnvoll, damit Aussage und technische oder medizinische Beweislage zusammenpassen.

Themen
fahrlässige Tötung§ 80 StGB§ 81 StGBUnfallGutachtenStrafverfahren

Einvernahme, Hausdurchsuchung, Anklage?

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