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Leib und Leben

Gefährdung der körperlichen Sicherheit nach § 89 StGB: Risiko ohne eingetretene Verletzung

Gefährdung der körperlichen Sicherheit nach § 89 StGB: Gefahr für Leben, Gesundheit oder körperliche Sicherheit ohne eingetretene Verletzung.

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Mag. Christopher Angerer, Rechtsanwalt

Rechtsanwalt und Verteidiger in Strafsachen

Strafverteidigung ist Vertrauenssache. Von der ersten Einvernahme bis zur Rechtskraft — alles aus einer Hand.

29. Juni 2026 · Mag. Christopher Angerer, Rechtsanwalt

Nicht jedes gefährliche Verhalten führt zu einer Verletzung. § 89 StGB setzt früher an: Strafbar kann sein, wer eine Gefahr für Leben, Gesundheit oder körperliche Sicherheit eines anderen herbeiführt, auch wenn am Ende niemand verletzt wurde.

Dieser Beitrag erklärt aus anwaltlicher Perspektive den Unterschied zu Körperverletzung und fahrlässiger Körperverletzung, den Sorgfaltsmaßstab und die Beweisfragen bei riskanten Situationen. Es handelt sich um allgemeine Information, nicht um Beratung im Einzelfall.

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01 Frage 1

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Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

01

Vorwurf prüfen, keine spontane Aussage machen.

Bei einem Vorwurf nach § 89 StGB ist der erste Schritt nicht die Rechtfertigung aus dem Bauch heraus, sondern die Klärung von Tatbestand, Aktenlage und Beweisen. Das Schweigerecht gilt vollständig.

Aus anwaltlicher Perspektive sollte vor einer Aussage Akteneinsicht nach § 51 StPO vorbereitet und die Einordnung zu Nachbartatbeständen geprüft werden.

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02

Beweise sichern und nichts verändern.

Nachrichten, Dateien, Fotos, Belege, Protokolle und Zeugenangaben sollten vollständig gesichert werden. Nichts sollte gelöscht, verändert oder nachträglich erstellt werden.

Gerade digitale Spuren können für die Einordnung entscheidend sein und dürfen nicht durch gut gemeinte Korrekturen entwertet werden.

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03

Nächsten Schritt taktisch setzen.

Je nach Vorwurf kommen Einstellung, Diversion, Schadensgutmachung, Beweisantrag oder Vorbereitung einer Hauptverhandlung in Betracht. Die Entscheidung hängt vom Akt ab.

Frühe Struktur verhindert, dass aus Unsicherheit eine ungünstige Aussage oder ein Fristversäumnis entsteht.

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04

Tatbestand und Einordnung sauber prüfen.

Viele Strafrechtsvorwürfe liegen nahe beieinander. Entscheidend ist, welches Merkmal den konkreten Fall prägt und welcher Tatbestand dadurch tatsächlich eröffnet ist.

Aus anwaltlicher Perspektive kann die richtige Einordnung den Strafrahmen, die Verfahrensart und die Verteidigungsstrategie verändern.

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Was § 89 StGB beim Thema Gefährdung der körperlichen Sicherheit voraussetzt

Gefährdung der körperlichen Sicherheit setzt an einem klar umschriebenen Verhalten an: Herbeiführen einer konkreten Gefahr. Entscheidend ist nicht die bloße moralische Bewertung, sondern ob die gesetzlichen Merkmale nachweisbar sind.

Für die Verteidigung zählt daher die genaue Rekonstruktion: Was ist wann passiert, wer wusste was, welche Unterlagen oder Zeugen gibt es und welche Alternative zum Tatvorwurf kommt in Betracht?

Strafrahmen und rechtliche Schwere

Nach dem derzeitigen Gesetzesstand gilt als Kernrahmen: bis drei Monate oder Geldstrafe bis 180 Tagessätze. Diese Einordnung beruht auf § 89 StGB.

Der konkrete Vorwurf, der Schaden oder die Folge, die Beweislage und das Verhalten nach der Tat beeinflussen die praktische Bewertung. Eine frühe anwaltliche Prüfung verhindert, dass unklare Sachverhalte vorschnell als schwerer Vorwurf behandelt werden.

Konkrete Einordnung für den Einzelfall

Die Einordnung verläuft vor allem über folgendes Merkmal: Risiko ohne tatsächliche Verletzung. Wer diesen Punkt übersieht, landet schnell beim falschen Tatbestand oder bei einer unnötig schweren Einordnung.

Aus anwaltlicher Perspektive ist die Einordnung kein Nebenthema. Sie entscheidet über Aktenstrategie, mögliche Beweisanträge, Diversion, Schadensgutmachung und das Risiko einer Hauptverhandlung.

Erste Schritte nach Anzeige oder Ladung

Nach einer Anzeige oder Ladung sollten Sie keine spontane Aussage zur Sache machen, bevor Vorwurf und Aktenlage bekannt sind. Das Schweigerecht, Akteneinsicht nach § 51 StPO und die Sicherung eigener Unterlagen sind die zentralen ersten Schritte.

Bewahren Sie Schreiben, Nachrichten, Protokolle und mögliche Entlastungsbeweise vollständig auf. Löschen, verändern oder nachträglich erstellen sollten Sie nichts; gerade bei digitalen Spuren kann das einen eigenen Vorwurf auslösen.

Einordnung prüfen

Gefährdung der körperlichen Sicherheit: Tatbestand, Einordnung und erster Schritt.

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Gefährdung der körperlichen Sicherheit: Tatbestand, Einordnung und erster Schritt.
Punkt Einordnung Norm
Kernpunkt Herbeiführen einer konkreten Gefahr § 89 StGB
Einordnung Risiko ohne tatsächliche Verletzung Nachbarvorwürfe prüfen
Beweise Ablauf, Nachrichten, Zeugen und Unterlagen sichern § 51 StPO
Verfahrensziel Einstellung, Diversion oder Verteidigung in der Hauptverhandlung prüfen §§ 190, 198 ff StPO

Keine Aussage ohne Überblick. Bei diesem Vorwurf kann ein einzelnes Tatbestandsmerkmal entscheidend sein. Vor einer Aussage sollten die maßgeblichen Merkmale, die Beweise und mögliche andere Tatvorwürfe anhand des Akts geprüft werden.

Was jetzt wichtig ist

Typischer Ablauf der ersten Verteidigungsschritte.

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  1. 01
    1
    sofort

    Vorwurf klären

    Ladung, Anzeige oder Maßnahme genau erfassen.

  2. 02
    2
    früh

    Akteneinsicht vorbereiten

    Vor Aussage zuerst Beweislage und Tatbestand prüfen.

  3. 03
    3
    laufend

    Beweise sichern

    Unterlagen, Nachrichten und Zeugen geordnet dokumentieren.

  4. 04
    4
    nach Aktenlage

    Verfahrensziel festlegen

    Einstellung, Diversion oder Verteidigung in der Hauptverhandlung prüfen.

Häufige Fragen

Gefährdung der körperlichen Sicherheit nach § 89 StGB: wichtige Fragen.

Wann liegt Gefährdung der körperlichen Sicherheit vor? +

Entscheidend ist, ob die gesetzlichen Merkmale erfüllt sind, insbesondere Herbeiführen einer konkreten Gefahr. Der Einzelfall hängt von Ablauf, Vorsatz, Beweisen und der konkreten Verfahrenssituation ab.

Soll ich bei der Polizei sofort aussagen? +

In der Regel erst nach Klärung des Vorwurfs und nach anwaltlicher Akteneinsicht. Das Schweigerecht schützt davor, ohne Kenntnis der Beweislage eine unbedachte Aussage zu machen.

Kann eine Diversion möglich sein? +

Das hängt von Tatbestand, Schuld, Folgen, Vorleben und Schadensgutmachung ab. Bei vielen nicht schwersten Vorwürfen sollte eine diversionelle Erledigung zumindest früh geprüft werden.

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